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Jubiläum

90 Jahre Anhaltische Landesbücherei

Wissenschaftliche Bibliothek

Vor 90 Jahren, am 20. Februar 1922, wurde im Prinz-Eduard-Palais in der Dessauer Kaiserstraße die Anhaltische Landesbücherei als zentrale Kulturinstitution Anhalts eröffnet.

Die Bibliothek hatte von Anfang an umfassende Aufgaben. Sie stellte ihre Bestände breiten Bevölkerungskreisen zur wissenschaftlichen Forschung, Weiterbildung und Volksbildung zur Verfügung. Daneben war die Vereinigung des im Land verstreuten Bibliotheks- und Kulturguts sowie die Ergänzung der Sammlungen eine wesentliche Aufgabe. Dazu gehörte der Erwerb von Nachlässen und Autographen von Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten, die für Anhalt besondere Bedeutung hatten.

Die Geschichte der Landesbücherei war gerade in den ersten Jahren ihres Bestehens von der wiederholten Vereinigung von Sammlungen geprägt. Die drei umfangreichsten und bedeutendsten, die in die Bibliothek eingingen, waren die Behördenbibliothek, die Hofbibliothek und die Fürst-Georg-Bibliothek.

Mit der Übernahme der Georgsbibliothek 1927 erreichte der Umfang der Landesbücherei schon ca. 120.000 Bände und wuchs in den folgenden Jahren bis auf 200.000 Bände an. Infolge der sich häufenden Luftangriffe bemühte sich die Bibliothek nach 1942 um die Sicherstellung wertvoller Bestände. Insbesondere für Handschriften, Inkunabeln und wertvolle Einbände wurde nach sicheren Auslagerungsmöglichkeiten gesucht. Auslagerungsorte wurden im Fläming, im Zerbster Land und im Harz gefunden. Die wertvollsten Bücher der Landesbücherei wurden 1943 im Schacht I in Solvayhall bei Bernburg sichergestellt.

SternenatlasBei zwei Bombenangriffen im Januar und März 1945 wurde die Landesbücherei völlig zerstört und die dort noch befindlichen Bücher fast vollständig vernichtet. Doch auch an den Auslagerungsorten traten durch Diebstahl, Zerstörung, Beschlagnahmung als Kriegsbeute, Beschädigung und Beschmutzung große Verluste auf. Durch die Kriegseinwirkungen verlor die Bibliothek über 90% ihres Bestandes.

Nach der Unterbringung in verschiedenen Notunterkünften wurde die Landesbücherei in einem Flügel des früheren Gerichtsgebäudes in der Mariannenstraße 1949 wieder eröffnet, 1955 mussten einige der Räume geräumt werden. Damit begann eine Odyssee der wertvollen Bestände, die nach vielen Umzügen, Verlusten und Beschädigungen von Büchern erst 1991 enden sollte.

1957 wurde die bis dahin selbstständige Bibliothek Zweigstelle der Universitäts- und Landesbibliothek Halle, bis es 1969 zu einer verwaltungstechnischen Zusammenlegung mit der Stadtbibliothek Dessau kam. Anhaltend große Probleme gab es mit der Unterbringung der Altbestände. Der auf ca. 125.000 Bände angewachsene Buchbestand der ehemaligen Landesbücherei musste unter zum Teil katastrophalen klimatischen und sicherheitstechnischen Bedingungen in Ausweichmagazine verlagert werden.

Ab 1987 wurde das Palais Dietrich für Bibliothekszwecke umgebaut. Am 1. Oktober 1991 konnte hier die „Wissenschaftliche Bibliothek und Sondersammlungen“, die die Bestände der ehemaligen Landesbücherei umfasste, eröffnet werden. Am 17. Oktober 1991 verlieh der Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt der Stadtbibliothek den historischen Namen „Anhaltische Landesbücherei“.

Die Anhaltische Landesbücherei ist heute eine moderne kommunale öffentliche Bibliothek, die ein breites Spektrum an Angeboten für ihre Leser bereit hält. Gleichzeitig bewahrt und erschließt sie mit ihrem bedeutenden historischen Buchbestand wertvolle Zeugnisse tausendjähriger Geschichte. Damit ist die Anhaltische Landesbücherei Dessau eine ganz besondere Bibliothek – als eine von wenigen kommunalen Bibliotheken in Deutschland vereinigt sie in sich die Traditionen einer städtischen Volksbücherei und einer wissenschaftlich orientierten Landesbibliothek.
 

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