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Ausstellung

Erfolgreiche Schau am Tiber

Als Goethe 1786 bis 1788 zu seiner "Italienischen Reise" aufbrach, nahm er in Rom, der ewigen Stadt, Quartier bei seinem Malerfreund Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Aus der Unterkunft von einst in der Via del Corso 18 wurde die heutige Casa di Goethe, wo u. a. den italienischen Einflüssen im Werk Goethes nachgespürt wird.

Seit 1997 ist die Casa di Goethe das einzige deutsche Museum im Ausland und eine renommierte Adresse in Rom.

Entsprechend exklusiv erscheint es, dort mit einer Ausstellung vertreten zu sein, die das internationale Publikum mit Kunst aus Deutschland in Berührung bringt. Zuletzt war es der Klassik Stiftung Weimar gelungen, mit einer Ausstellung ihrer Handzeichnungsbestände der Goethezeit vertreten zu sein.

Jüngst konnte auch die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau mit Zeichnungen aus dem sogenannten Erdmannsdorff-Nachlass dem römischen Publikum Erlesenes bieten. Denn Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, berühmter

Baumeister des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs und Freund von dessen Schöpfer "Vater Franz", war ebenfalls mehrfach in Italien auf Reisen. Seine Sammlungstätigkeit ist, wie der Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie, Dr. Norbert Michels, heute betont, "in direktem Zusammenhang mit der Gründung einer Landeszeichenschule und der Lehrmittelproduktiom mit der von Fürst Leopold III. Friedrich Franz gegründeten Chalcographischen Gesellschaft zu sehen."

Die Ausstellung, die eindrucksvoll Zeugnis von dem europäischen Wissenstransfer im Europa früherer Epochen ablegt, ist nach dem Erfolg in Rom ab dem 6. Dezember in der Orangerie am Schloss Georgium zu bestaunen. Die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau zeigt aus ihren reichen Handzeichnungsbeständen mit dem sogenannten Erdmannsdorff-Nachlass herausragende Werke, die vom 16. bis zum späten 18. Jahrhundert reichen. Dazu gehören als besondere Kostbarkeiten figürliche Vorzeichnungen von Federico Barocci, antikisierende Wandgestaltungen von Vincenzo Brenna sowie Romveduten von Charles-Louis Clérisseau und Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff.

Die von Erdmannsdorff auf mehreren Italienreisen zusammengetragene Handzeichnungssammlung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der von Fürst Leopold III. Friedrich Franz initiierten Gründung einer Landeszeichenschule und der Lehrmittelproduktion der Chalcographischen Gesellschaft Dessau. Diesen merkantilen und reform-pädagogischen Kontext zeigt die Ausstellung auf. Die Bestände des Erdmannsdorff-Nachlasses sind ein eindrucksvolles und herausragendes Beispiel eines europäischen Kunsttransfers in früheren Epochen. Durch die gezielte Rezeption antiker Altertümer in Rom und Umgebung, für die ganz prominent auch ein anderes "Landeskind" - der aus Stendal stammende Johann Joachim Winckelmann - steht, wurde von Erdmannsdorff des neue klassizistische Stilideal in Deutschland eingeführt.

Das im Auftrag des Dessauer Fürsten von Erdmannsdorff errichtete Wörlitzer Schloss ist das erste Beispiel für diese Entwicklung. An ihm lässt sich unmittelbar ablesen, wie der im Erdmannsdorff-Nachlass zusammengetragene Formenschatz für das Dekor einer neuen Architektur genutzt wurde. Die Bestände des Erdmannsdorff-Nachlasses zeigen mustergültig, wie stark das kulturelle Erbe Italiens im fernen Deutschland grundlegend für die Entwicklung eines neuen, modernen Stils war, der sich bewusst - und im Grunde auch politisch motiviert - von dem für alte Machtverhältnisse stehenden Barock und Rokoko absetzte.

Die Ausstellung wird nach ihrer erfolgreichen Präsentation in der Casa di Goethe in Rom nun in der Orangerie des Schlosses Georgium gezeigt. Nach der Erdmannsdorff-Ehrung des Jahres 1986 handelt es sich um die erste repräsentative Ausstellung der Sammlung. Der zur Ausstellung erschienene Katalog bietet eine Fülle neuer Forschungsergebnisse und Neuzuschreibungen. Die Ausstellung wird am 5. Dezember 2014, um 18 Uhr, in der Orangerie beim Schloss Georgium eröffnet und läuft bis zum 25. Januar 2015.

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